Ja, es gibt den Penisfisch! …und er hat auch noch Verwandte!



Der Candirú oder Canero (Vandellina cirrhosa) ist ein Süßwasserfisch im Amazonas aus der Ordnung der Welsartigen und ein Parasit. Der aalähnliche Fisch kann bis zu 6 cm Länge wachsen und ist durchscheinend.
Der kleine schmale Fisch mag keine Sonne, vergräbt sich im Sand unter Steinen und wartet geduldig auf Beute.
Er orientiert sich an den Atemströmungen anderer Fische. Den Strömungen folgend schwimmt er in die Kiemenöffnungen der größeren Fische, hält sich dort mit einem aufgestellten Stachel fest und ernährt sich von dem Blut aus den Kiemengefäßen, was im den Beinamen “Brasilianischer Vampirfisch” einbrachte. Der kleine Fisch besitzt keine Saugorgane. Der Blutdruck des ausströmenden Bluts reicht aus, um den Fisch in einer halben Minute zu füllen. Danach entfernt sich der Candirú wieder.
Er ist bei den Eingeborenen gefürchtet, weil er durch das Blut oder den Urin badender Menschen falsch angelockt werden kann. Dem unbekleideten Badenden schwimmt er in eine der Körperöffnungen.

Der Candirú ortet seine Wirte anhand des ausgestoßenen Wasserschwalls. Demzufolge kann er durch die beim Urinieren im Wasser hervorgerufene Strömung zur Penisspitze angelockt werden. Kleinere Fische können auch weiter hinauf in die Harnröhre bis in die Harnblase gelangen. Dort angekommen verhält er sich ebenso wie in den Kiemen der Fische und ernährt sich vom Blut und Gewebe der befallenen Person. Das kann sehr schmerzhaft sein. Der Candirú muss dann meistens mit einem operativen Eingriff entfernt werden, da es sonst zu gefährlichen Entzündungen bis hin zur Penisamputation kommen kann. Eingeborene empfehlen die Anwendung von zwei Pflanzen: die Extrake der Xagua-Pflanze (Genipa americana) und des Buitach-Apfels, welche lokal in Kombination eingesetzt den Candirú töten und auflösen.
Berichte über den Befall von Menschen durch den „Penisfisch“ oder „willie fish“ sind seltene Einzelfälle oder schlecht dokumentiert.
Der Candirú hat im Amazonasbecken noch einen Verwandten, der eine vergleichbare Lebensweise hat: der Harnröhrenwels (Tridensimilis brevis) gehört zu der Familie der Schmerlenwelse und sucht im Sand flacher Flüsse Unterschlupf. Er ernährt sich parasitär vom Blut aus den Kiemengefäßen größerer gründelnder Welse. Einzelnen Berichten zufolge fühlt sich dieser kleine nur bis zu 3 cm lange Fisch auch von der Strömung unter Wasser urinierender unbekleideter Männer zur Harnröhre angelockt. In der Harnröhre stirbt er zwar schnell ab, muss aber meistens ebenso operativ entfernt werden.